Aktuelles aus dem Universum der Übersetzung und Softwarelokalisierung

Wir sind Sprachfreaks, das geben wir gerne zu. Die Welt der Übersetzung und Software-Lokalisierung ist spannend und faszinierend. Aber auch unser Büro-Alltag sorgt für die ein oder andere Schlagzeile. An dieser Stelle bloggen wir regelmäßig Interessantes für unsere Kunden, Freunde und Mitarbeiter. Bleiben Sie dran!

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transcript-blogger
08/10/2014 - 14:07

Eine coole Messezeit verspricht Finnland als diesjähriges Gastland der Frankfurter Buchmesse, die vom 14.-18. Oktober Bücherfreunde aus der ganzen Welt in die deutsche Metropole am Main lockt. Finnland. Cool. lautet dementsprechend der Slogan des finnischen Auftritts auf der weltweit größten Literaturmesse. Damit möchten die Finnen zum einen den nordisch-kühlen Charakter ihres Landes unterstreichen, zum anderen die Coolness ihres traditionellen und zeitgenössischen Literaturangebotes kommunizieren. Wirklich cool ist, dass in Finnland jährlich etwa 4500 Buchtitel erscheinen – nur Island schafft im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl mehr Publikationen. Publiziert wird hauptsächlich auf Finnisch und Schwedisch, der zweiten Landessprache.
Die Finnen sind emsige Leseratten. Das verdanken sie unter anderem dem modernen finnischen Bibliothekssystem: In den Bibliotheken des Landes sind Bücher für jedermann zugänglich, und zwar völlig kostenlos. Bereits im Jahr 1831 wurde die Finnische Literaturgesellschaft gegründet. Sie publiziert wichtige Werke finnischer Autoren und verwaltet ein riesiges Literatur-Archiv mit neunhundert laufenden Metern Manuskripten aus allen Epochen und Genres der finnischen Literatur. Teil dieser Gesellschaft ist die 1977 gegründete FILI – Finnish Literature Exchange, die für den finnischen Gastauftritt auf der deutschen Buchmesse verantwortlich zeichnet. Erklärtes Ziel ist eine nachhaltige  Steigerung des Verkaufs der Übersetzungsrechte finnischer Literatur. Ohne bestens qualifizierte Übersetzer, die finnische Bücher in andere Sprachen übersetzen, läuft diesbezüglich rein gar nichts. Das erkannten auch die Leute von FILI und investierten in der Vorbereitungsphase des Messe-Gastauftritts vor allem in die Aus- und Weiterbildung von Übersetzern sowie den Aufbau von Übersetzer-Netzwerken. Der finnische Staat griff dafür großzügig in die Tasche: 2013 und 2014  bewilligte er Fördergelder in Höhe von insgesamt knapp einer Million Euro. Gut investiertes Geld, denn ohne professionelle Literatur-Übersetzer würde die finnische Literatur gar nicht erst in Reichweite von Lesern aus anderen Ländern gelangen – es sei denn, sie lernten Finnisch.
Auf der Messe selbst erwartet die Literatur-Übersetzer finnischer Werke ein ganz besonderes Schmankerl: FILI hat über 60 Übersetzer aus der ganzen Welt zu einem dreitägigen Veranstaltungsprogramm nach Frankfurt eingeladen, damit sie die Buchmesse aus Profisicht kennenlernen und erfahren, welche Rolle sie als Übersetzer für den Literaturexport spielen. So sollen aus Übersetzern Botschafter der finnischen Literatur in ihren jeweiligen Ländern werden. Diese Art von Fokussierung auf die Übersetzer ist ein absolutes Novum auf der Frankfurter Buchmesse – und echt cool. Finden wir zumindest.

Quellen:
http://www.buchmesse.de/de/ehrengast/
http://finnlandcool.fi/?lang=de
http://www.finn-land.net/finnland-f/finnischeliteraturgesellschaft.htm

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11/09/2014 - 11:00

Gar nicht so einfach, die Sache mit den linguistischen Definitionen. Möchte man dem Unterschied zwischen Dialekt und Sprache auf den Grund gehen, tut man gut daran, sich zunächst mit der Definition von „Dialekt“ zu befassen. Der Begriff wurzelt in dem griechischen dialegomai, was so viel bedeutet wie „miteinander reden“. Johann Wolfgang von Goethe sah das ganz ähnlich, indem er sagte: „Beim Dialekt fängt die gesprochene Sprache an.“ Philipp von Zesen, deutscher Dichter aus dem 17. Jahrhundert, definierte Dialekt als „lokale oder regionale Sprachvarietät“. Die „Varietät“, also unterschiedliche Ausprägung, kann dabei alle Sprachbereiche betreffen: Lautebene (Phonologie), Wortbeugung (Morphologie), Wortschatz (Lexik), Satzbau (Syntax) und Ausdrucksformen bzw. Redewendungen (Idiomatik).

Bezugsgröße der Dialekte ist per Definition die Standardsprache, welche alle Dialekte der Regionen eines definierten Sprachraumes überdacht – weshalb sie auch „Dachsprache“ genannt wird. Eine Dachsprache ist, anders als der Dialekt, eine überregionale Sprache. Dialektsprecher derselben Sprache, die weit voneinander entfernt wohnen und ihre unterschiedlichen Dialekte deshalb gegenseitig nicht verstehen, können sich für reibungslose Kommunikation der überörtlichen Dachsprache bedienen. So weit, so gut.

Kniffliger wird es, wenn man sich in einer klaren Abgrenzung zwischen Dialekt und Sprache versucht. Linguistisch umstrittenes und doch häufig genanntes Unterscheidungskriterium ist die gegenseitige Verständlichkeit. Heißt theoretisch: Wenn sich zwei Menschen gegenseitig verstehen, muss es sich um zwei Dialekte derselben Sprache handeln. Verstehen sie einander nicht, dann wird es sich vermutlich um zwei unterschiedliche Sprachen handeln.

In der Praxis ist das allerdings häufig anders. Hierzu ein Beispiel: In Skandinavien verstehen sich die Sprecher der kontinentalen Sprachgruppe Dänisch, Schwedisch und Norwegisch problemlos untereinander, ebenso die Sprecher der insularen Sprachgruppe Isländisch und Färöisch. Dennoch gibt es aus historisch-politischen Gründen nicht nur zwei, sondern fünf skandinavische Sprachen: Jede politische Einheit, jedes Land hat seine eigene Sprache – die Norweger ihr Norwegisch, die Schweden ihr Schwedisch usw. Der Grund: Europa ist ein Kontinent der Einsprachigkeitsideologie; sprachliche und politische Einheit sind hier historisch bedingt eng miteinander verknüpft. So mancher Dialekt, beispielsweise einer der unzähligen sehr unterschiedlichen Dialekte Italiens, wird deshalb quasi zwangsweise unter das Dach der Standardsprache gestellt. Interessant: Romanische Sprachen sind so gesehen moderne Dialekte des Lateinischen!

Ein Gegenbeispiel zu Europa ist China: Obwohl China eine politische Einheit ist, unterscheiden sich die in den verschiedenen Landesteilen gesprochenen Dialekte in Aussprache und Wortschatz stark voneinander – und zwar etwa so wie in Europa die romanischen Sprachen. Ein Nordchinese kann sich mit einem Südchinesen mündlich nicht verständigen. Die chinesische Schriftsprache dagegen ist dialektübergreifend, kann also von allen verstanden werden. Die vermeintlichen „Dialekte“, mehrere Hundert an der Zahl, lassen sich in acht Hauptsprachen einteilen.

Zum Schluss noch ein Wort zur Zukunft der Dialekte: Sie sind auf dem Rückzug. Während die Standardsprache „Deutsch“ in den 1950er Jahren von den meisten Sprechern des deutschen Sprachraumes noch als eher „fremde Sprache“ empfunden wurde, gilt das heute allenfalls noch für die Menschen in Süddeutschland. Insbesondere Neologismen finden kaum noch Einzug in die Welt der Dialekte – und auch bei der Mediennutzung ist die jeweilige Standardsprache das Maß aller Dinge.

Quellen:
http://www.uni-augsburg.de/akademische_frage/39_Reinke_Dialekt.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Dialekt
http://www.weikopf.de/index.php?article_id=81

 

 

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28/08/2014 - 11:26

Träumen Sie auch manchmal davon, Fremdsprachen quasi „im Schlaf“ zu lernen? Durch die ganze Welt zu reisen und die Muttersprachen aller bereisten Länder zu verstehen und zu sprechen? Tatsächlich gibt es sie immer mal wieder: Sprachgenies, die mit linguistischer Leidenschaft eine große Anzahl von Sprachen erlernen und mit Leichtigkeit anwenden. Ihnen scheinen – im Gegensatz zu „Otto Normalmensch“ – die Fremdsprachen nur so zuzufliegen.
Berühmtestes Sprachwunder der Menschheitsgeschichte ist wohl Emil Krebs (1867–1930). Er war Sinologe, Diplomat und langjähriger Mitarbeiter des Sprachendienstes des Auswärtigen Amtes. Angaben seines Großneffen Eckhard Hoffmann zufolge beherrschte Krebs bis zu seinem Tod 68 Sprachen in Wort und Schrift; darüber hinaus befasste er sich mit 100 weiteren Sprachen. Bereits nach seinem Schulabschluss brachte er es auf zwölf Fremdsprachen. Während er zunächst Theologie und Rechtswissenschaften studierte, schwenkte er später auf das Studium östlicher Sprachen und Kulturen um. Chinesisch hatte es ihm dabei ganz besonders angetan. So wurde er denn auch 1893 als Dolmetscher für den Auswärtigen Dienst nach Peking entsandt. Ganze 24 Jahre sollte er dort bleiben – bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und China am 25. März 1917. Fortan übernahm Krebs verschiedene Aufgaben im Auswärtigen Amt und widmete sich weiterhin fast besessen dem Erwerb neuer Sprachen. Jede für ihn „neue“ Sprache wollte, ja musste er auf der Stelle erlernen. Als er einmal bei einem Empfang zwei dunkelhaarige Herren traf, die ihm unbekannte Sprachlaute von sich gaben, fand er postwendend heraus, dass es sich dabei um das von ihm noch nicht beherrschte Armenisch handelte. Das Auswärtige Amt erinnert auf seiner Website an diese Anekdote um Emil Krebs: „Noch am gleichen Tag bestellte er (…) eine armenische Grammatik, altarmenische Kirchenliteratur und moderne armenische Romane. Für die armenische Grammatik brauchte er zwei, für das Altarmenische drei und für die gesprochene Sprache vier Wochen.“
Auch der Libanese Ziad Fazah gehört zu der Spezies der Sprachgenies. Der mittlerweile im brasilianischen Porto Alegre lebende Sprachrekordler bringt es nach Angaben des Guinness Buch der Rekorde auf 58 Sprachen, die er lesen, verstehen und sprechen kann. Bis zur 1998-Ausgabe des Rekord-Buches war Fazah damit der Zeitgenosse mit den meisten beherrschten Sprachen weltweit. Aktuelle TV-Shows lassen allerdings leise Zweifel aufkommen, da Fazah teilweise einfachste Fragen, zum Beispiel in griechischer Sprache, nicht verstand.
Die Methoden des Spracherwerbs seitens der Sprachgenies variieren enorm. Von dem italienischen Kardinal Giuseppe Mezzofanti (1774–1849) heißt es zum Beispiel, er habe die Mehrzahl der über 70 von ihm beherrschten Sprachen dadurch gelernt, indem er fremdsprachigen Gläubigen die Beichte abnahm… Ein ganz neues Verständnis des Beicht-Geheimnisses!

Quellen:
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/AAmt/Dienste/Aktuell/EmilKrebsNeu_node.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Ziad_Fazah

http://www.weikopf.de/index.php?article_id=84