Aktuelles aus dem Universum der Übersetzung und Softwarelokalisierung

Wir sind Sprachfreaks, das geben wir gerne zu. Die Welt der Übersetzung und Software-Lokalisierung ist spannend und faszinierend. Aber auch unser Büro-Alltag sorgt für die ein oder andere Schlagzeile. An dieser Stelle bloggen wir regelmäßig Interessantes für unsere Kunden, Freunde und Mitarbeiter. Bleiben Sie dran!

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transcript-blogger
11/09/2014 - 11:00

Gar nicht so einfach, die Sache mit den linguistischen Definitionen. Möchte man dem Unterschied zwischen Dialekt und Sprache auf den Grund gehen, tut man gut daran, sich zunächst mit der Definition von „Dialekt“ zu befassen. Der Begriff wurzelt in dem griechischen dialegomai, was so viel bedeutet wie „miteinander reden“. Johann Wolfgang von Goethe sah das ganz ähnlich, indem er sagte: „Beim Dialekt fängt die gesprochene Sprache an.“ Philipp von Zesen, deutscher Dichter aus dem 17. Jahrhundert, definierte Dialekt als „lokale oder regionale Sprachvarietät“. Die „Varietät“, also unterschiedliche Ausprägung, kann dabei alle Sprachbereiche betreffen: Lautebene (Phonologie), Wortbeugung (Morphologie), Wortschatz (Lexik), Satzbau (Syntax) und Ausdrucksformen bzw. Redewendungen (Idiomatik).

Bezugsgröße der Dialekte ist per Definition die Standardsprache, welche alle Dialekte der Regionen eines definierten Sprachraumes überdacht – weshalb sie auch „Dachsprache“ genannt wird. Eine Dachsprache ist, anders als der Dialekt, eine überregionale Sprache. Dialektsprecher derselben Sprache, die weit voneinander entfernt wohnen und ihre unterschiedlichen Dialekte deshalb gegenseitig nicht verstehen, können sich für reibungslose Kommunikation der überörtlichen Dachsprache bedienen. So weit, so gut.

Kniffliger wird es, wenn man sich in einer klaren Abgrenzung zwischen Dialekt und Sprache versucht. Linguistisch umstrittenes und doch häufig genanntes Unterscheidungskriterium ist die gegenseitige Verständlichkeit. Heißt theoretisch: Wenn sich zwei Menschen gegenseitig verstehen, muss es sich um zwei Dialekte derselben Sprache handeln. Verstehen sie einander nicht, dann wird es sich vermutlich um zwei unterschiedliche Sprachen handeln.

In der Praxis ist das allerdings häufig anders. Hierzu ein Beispiel: In Skandinavien verstehen sich die Sprecher der kontinentalen Sprachgruppe Dänisch, Schwedisch und Norwegisch problemlos untereinander, ebenso die Sprecher der insularen Sprachgruppe Isländisch und Färöisch. Dennoch gibt es aus historisch-politischen Gründen nicht nur zwei, sondern fünf skandinavische Sprachen: Jede politische Einheit, jedes Land hat seine eigene Sprache – die Norweger ihr Norwegisch, die Schweden ihr Schwedisch usw. Der Grund: Europa ist ein Kontinent der Einsprachigkeitsideologie; sprachliche und politische Einheit sind hier historisch bedingt eng miteinander verknüpft. So mancher Dialekt, beispielsweise einer der unzähligen sehr unterschiedlichen Dialekte Italiens, wird deshalb quasi zwangsweise unter das Dach der Standardsprache gestellt. Interessant: Romanische Sprachen sind so gesehen moderne Dialekte des Lateinischen!

Ein Gegenbeispiel zu Europa ist China: Obwohl China eine politische Einheit ist, unterscheiden sich die in den verschiedenen Landesteilen gesprochenen Dialekte in Aussprache und Wortschatz stark voneinander – und zwar etwa so wie in Europa die romanischen Sprachen. Ein Nordchinese kann sich mit einem Südchinesen mündlich nicht verständigen. Die chinesische Schriftsprache dagegen ist dialektübergreifend, kann also von allen verstanden werden. Die vermeintlichen „Dialekte“, mehrere Hundert an der Zahl, lassen sich in acht Hauptsprachen einteilen.

Zum Schluss noch ein Wort zur Zukunft der Dialekte: Sie sind auf dem Rückzug. Während die Standardsprache „Deutsch“ in den 1950er Jahren von den meisten Sprechern des deutschen Sprachraumes noch als eher „fremde Sprache“ empfunden wurde, gilt das heute allenfalls noch für die Menschen in Süddeutschland. Insbesondere Neologismen finden kaum noch Einzug in die Welt der Dialekte – und auch bei der Mediennutzung ist die jeweilige Standardsprache das Maß aller Dinge.

Quellen:
http://www.uni-augsburg.de/akademische_frage/39_Reinke_Dialekt.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Dialekt
http://www.weikopf.de/index.php?article_id=81

 

 

transcript-blogger
28/08/2014 - 11:26

Träumen Sie auch manchmal davon, Fremdsprachen quasi „im Schlaf“ zu lernen? Durch die ganze Welt zu reisen und die Muttersprachen aller bereisten Länder zu verstehen und zu sprechen? Tatsächlich gibt es sie immer mal wieder: Sprachgenies, die mit linguistischer Leidenschaft eine große Anzahl von Sprachen erlernen und mit Leichtigkeit anwenden. Ihnen scheinen – im Gegensatz zu „Otto Normalmensch“ – die Fremdsprachen nur so zuzufliegen.
Berühmtestes Sprachwunder der Menschheitsgeschichte ist wohl Emil Krebs (1867–1930). Er war Sinologe, Diplomat und langjähriger Mitarbeiter des Sprachendienstes des Auswärtigen Amtes. Angaben seines Großneffen Eckhard Hoffmann zufolge beherrschte Krebs bis zu seinem Tod 68 Sprachen in Wort und Schrift; darüber hinaus befasste er sich mit 100 weiteren Sprachen. Bereits nach seinem Schulabschluss brachte er es auf zwölf Fremdsprachen. Während er zunächst Theologie und Rechtswissenschaften studierte, schwenkte er später auf das Studium östlicher Sprachen und Kulturen um. Chinesisch hatte es ihm dabei ganz besonders angetan. So wurde er denn auch 1893 als Dolmetscher für den Auswärtigen Dienst nach Peking entsandt. Ganze 24 Jahre sollte er dort bleiben – bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und China am 25. März 1917. Fortan übernahm Krebs verschiedene Aufgaben im Auswärtigen Amt und widmete sich weiterhin fast besessen dem Erwerb neuer Sprachen. Jede für ihn „neue“ Sprache wollte, ja musste er auf der Stelle erlernen. Als er einmal bei einem Empfang zwei dunkelhaarige Herren traf, die ihm unbekannte Sprachlaute von sich gaben, fand er postwendend heraus, dass es sich dabei um das von ihm noch nicht beherrschte Armenisch handelte. Das Auswärtige Amt erinnert auf seiner Website an diese Anekdote um Emil Krebs: „Noch am gleichen Tag bestellte er (…) eine armenische Grammatik, altarmenische Kirchenliteratur und moderne armenische Romane. Für die armenische Grammatik brauchte er zwei, für das Altarmenische drei und für die gesprochene Sprache vier Wochen.“
Auch der Libanese Ziad Fazah gehört zu der Spezies der Sprachgenies. Der mittlerweile im brasilianischen Porto Alegre lebende Sprachrekordler bringt es nach Angaben des Guinness Buch der Rekorde auf 58 Sprachen, die er lesen, verstehen und sprechen kann. Bis zur 1998-Ausgabe des Rekord-Buches war Fazah damit der Zeitgenosse mit den meisten beherrschten Sprachen weltweit. Aktuelle TV-Shows lassen allerdings leise Zweifel aufkommen, da Fazah teilweise einfachste Fragen, zum Beispiel in griechischer Sprache, nicht verstand.
Die Methoden des Spracherwerbs seitens der Sprachgenies variieren enorm. Von dem italienischen Kardinal Giuseppe Mezzofanti (1774–1849) heißt es zum Beispiel, er habe die Mehrzahl der über 70 von ihm beherrschten Sprachen dadurch gelernt, indem er fremdsprachigen Gläubigen die Beichte abnahm… Ein ganz neues Verständnis des Beicht-Geheimnisses!

Quellen:
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/AAmt/Dienste/Aktuell/EmilKrebsNeu_node.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Ziad_Fazah

http://www.weikopf.de/index.php?article_id=84

 

transcript-blogger
14/08/2014 - 11:27

Die @transcript-Heimat Köln im Westen Deutschlands ist bedeutender Wirtschaftsstandort und Messeplatz. Am 13. August öffnete die gamescom den Fachbesuchern ihre Türen; vom 14. bis 17. August steht sie parallel dem privaten Publikum offen. Die gamescom findet bereits seit 2009 auf dem Kölner Messegelände statt. Sie ist die mittlerweile weltweit erfolgreichste Messe für Computer- und Videospiele und die größte europäische Konsumentenmesse überhaupt. Angesichts dieser Erfolge verlängerten der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) und die Koelnmesse unlängst ihren Messevertrag. Die gamescom bleibt also auch in Zukunft in Köln – ein großer Erfolg für den Digital-Standort Deutschland. Die Veranstaltung hat sich im Laufe der Jahre zum weltweit größten Event für Interaktive Unterhaltung gemausert. Alleine im letzten Jahr besuchten rund 340.000 Gamer und Unternehmen der Spiele-Industrie aus der ganzen Welt die gamescom in Köln – ein neuer Rekord. „Die Erfolge der vergangenen Jahre haben das Bekenntnis der internationalen Videospiel-Industrie zur gamescom am Standort Deutschland gesichert“, resümiert Dr. Maximilian Schenk, Geschäftsführer des BIU. Fakt ist, dass sich digitale Spiele international größter Beliebtheit erfreuen. Mittlerweile spielen alle Altersgruppen aus allen gesellschaftlichen Schichten auf den unterschiedlichen Spieleplattformen. Dr. Bernd Fakesch, Vorstand des BIU, liefert die Zahlen: „Als die gamescom 2009 erstmals in Köln stattfand, spielten rund 20 Prozent der Bevölkerung – heute spielt fast jeder Zweite.“
Ein weiterer Trend ist die Internationalisierung der Branche. Je internationaler das Business wird, desto wichtiger eine professionelle Spiele-Lokalisierung. Die gamescom bietet auch den Rahmen für einen professionellen Austausch zwischen Spieleentwicklern und Agenturen für Übersetzung und Lokalisierung wie @transcript. Denn nur wenn ein Videospiel perfekt an das jeweilige kulturelle Framework angepasst ist, kann es richtig erfolgreich werden (siehe dazu auch Blogeintrag vom 19.10.2012).
Ab heute heißt es also in Köln: gamescom – Celebrate the games – Spielend neue Welten entdecken.

http://www.gamescom.de/de/gamescom/home/index.php