Aktuelles aus dem Universum der Übersetzung und Softwarelokalisierung

Wir sind Sprachfreaks, das geben wir gerne zu. Die Welt der Übersetzung und Software-Lokalisierung ist spannend und faszinierend. Aber auch unser Büro-Alltag sorgt für die ein oder andere Schlagzeile. An dieser Stelle bloggen wir regelmäßig Interessantes für unsere Kunden, Freunde und Mitarbeiter. Bleiben Sie dran!

Damit unser Blog immer aktuell ist und keine Verzögerungen durch Übersetzungen in andere Sprachen entstehen, erstellen wir die Posts in den zwei Kernsprachen Englisch und Deutsch. Über die RSS-Funktion können Sie die Blogeinträge gerne abonnieren. Keep in touch with @transcript!


transcript-blogger
09/04/2014 - 11:43

Was eigentlich unterscheidet den Beruf des Dolmetschers von dem des Übersetzers? Wie wir sehen werden: eine ganze Menge!
Zunächst aber zu den Gemeinsamkeiten: Sowohl die Übersetzung als auch das Dolmetschen finden ihren Platz unter dem Dach der Sprach- und Kulturmittlung, auch Translation genannt. Außerdem ist den Übersetzern und Dolmetschern gemeinsam, dass sie als Mediatoren zwischen zwei Parteien vermitteln, die nicht dieselbe Sprache sprechen – und sich deshalb ohne die Hilfe eines (Fremd)Sprach-Experten schlichtweg nicht verstehen würden.
Prinzipiell sind die beiden Tätigkeiten jedoch grundverschieden: Der Dolmetscher überträgt gesprochene Texte mündlich in eine Zielsprache, während der Übersetzer seine Übertragung schriftlich fixiert. In der Regel übersetzt der Übersetzer ausschließlich in seine eigene Muttersprache; ein Dolmetscher dagegen produziert Ergebnisse in zwei Sprachen, weil er mündlich zwischen zwei Sprachwelten hin und her switcht.
Gebärdensprachdolmetscher übertragen Gesprochenes in die Gebärdensprache, um gehörlosen Menschen eine reibungslose Kommunikation zu ermöglichen.
Konsekutivdolmetscher geben in sich geschlossene Teilabschnitte von Reden wieder: Während der Redner spricht, machen sie sich Notizen. Sobald der Redner zu einem inhaltlichen Absatz kommt, überträgt der Konsekutivdolmetscher das vorab Gesagte mündlich in die Zielsprache. In der „Königsklasse“ des Konsekutivdolmetschens werden dabei bis zu 20 Minuten lange Redeabschnitte am Stück übertragen! Konsekutivdolmetscher kommen vor allem bei Gerichten, Notaren, Behörden oder Firmenevents mit wenigen Teilnehmern zum Einsatz.
Der Arbeitsplatz eines Simultandolmetschers ist eine enge Kabine, die mit Kopfhörer und Mikrofon ausgestattet ist. Über Kopfhörer hört der Dolmetscher den Redebeitrag in der Ausgangssprache, den er zeitgleich mündlich in die gewünschte Zielsprache überträgt. Per Funk-Headset gelangt die Übertragung zum Empfänger – auf internationalen Konferenzen werden Reden auf diese Weise simultan in mehrere Sprachen übersetzt. Simultandolmetscher arbeiten zum Beispiel bei großen Wirtschafts-Events oder in der Politik, zum Beispiel bei der EU.
Die Tätigkeit des Konsekutiv- und Simultandolmetschens erfordert höchste Konzentration. Nach maximal 20 Minuten werden Simultandolmetscher deshalb in der Kabine durch einen Kollegen abgelöst.
Ohne Zeitverzögerung muss der Dolmetscher in sich schlüssige Inhalte produzieren. Für eine Überprüfung der korrekten Grammatik oder Terminologie bleibt logischerweise keine Zeit. Ein wichtiger Unterschied zum Übersetzer, der in der Regel komplexere Texte wie Verträge oder Technische Manuals produziert – die terminologisch und sprachlich absolut wasserdicht sein sollten. Ein Dolmetscher bereitet sich auf seinen Einsatz vor, indem er vorab wichtige Informationen auswertet: zum Beispiel die Namen und Positionen aller Gesprächsteilnehmer, wichtige inhaltliche Details und Terminologien, technische oder politische Background-Informationen, Zielsetzung der Konferenz oder Verhandlung.
Da die Tätigkeitsfelder von Dolmetschern und Übersetzern so grundverschieden sind, arbeiten die meisten Übersetzer nicht als Dolmetscher und umgekehrt – nach dem Motto „Schuster, bleib bei deinem Leisten“.
Als Experten für Übersetzung und Lokalisierung haben wir uns bei @transcript auf die schriftliche Welt der Sprache spezialisiert – und verpflichten uns, in diesem Bereich immer neue Bestleistungen für unsere Kunden zu erbringen.

Weitere Quelle:
http://de.wikipedia.org

transcript-blogger
28/03/2014 - 18:27

Frühling am Bosporus – der ideale Rahmen für eine der Top-Konferenzen im Bereich Übersetzung und Lokalisierung: Vom 23. bis 26. März fand die GALA Language of Business Conference 2014 in der faszinierenden Türkei-Metropole Istanbul statt. @transcript-Mitglied der Geschäftsleitung Anke Büchel berichtet hier im Blog von ihren Erfahrungen und Eindrücken.

Anke, mit welchen Zielen hast Du Deine Teilnahme an der GALA 2014 verknüpft?
Vor allem habe ich mich über neue Technologien und Strategien informiert. Besonders interessant fand ich die Vorträge über Verkaufsstrategien auf dem Feld der Übersetzung und Lokalisierung, denn Neukundenakquise ist ein wichtiges Thema für uns.
Ganz wichtig war natürlich auch das Networking mit Fachkollegen; gute Beziehungen sind ja nicht nur in unserer Branche ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Mit welchen Technologie-Anbietern oder Netzwerkpartnern bist Du konkret ins Gespräch gekommen?
Auf dem Feld der innovativen Technologien habe ich mit zwei sehr interessanten Firmen gesprochen: XTM Cloud bietet Cloud-Übersetzungslösungen an; KantanMT ist Anbieter von statistischen Maschinenübersetzungen. Im Bereich Sales habe ich mich bei verschiedenen Consultants informiert. Ja, und dann gab es viele Gespräche mit kleineren Language Service Providern (LSPs), die gerne für @transcript als Multi-Language Vendor arbeiten möchten. Wir suchen ja ständig professionelle Muttersprachler für unseren internationalen Übersetzer-Pool.

Welche Themen oder Workshops waren für Dich und @transcript besonders relevant?
Oh, da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich habe einige Vorträge zum Thema „Sales“ gehört. Dann habe ich an einigen Veranstaltungen mit dem Fokus „Kundenbeziehung“ (Working with Clients) teilgenommen. Zukunftsweisend fand ich die Demos zu Cloud-Übersetzungslösungen und Maschinenübersetzung. Und beim „Speed Networking” am Montagnachmittag konnte ich etwa 50 Menschen in nur 90 Minuten treffen – intensiver kann Networking wohl kaum sein.

Wie war die Atmosphäre auf der Veranstaltung?
Einerseits global, weil Teilnehmer aus der ganzen Welt dort waren. Andererseits familiär, weil man immer wieder Gelegenheit hatte, sich in kleinen Gruppen auszutauschen und kennenzulernen. Neben den Konferenzen und Workshops gab es ein vielfältiges Rahmenprogramm, zum Beispiel diverse Dinner, einen Film Contest und das schon erwähnte Speed Networking. Ich konnte also nicht nur fachliche Kontakte knüpfen, sondern auch eine Reihe neuer Freundschaften mit Fachkollegen schließen.

Hattest Du Zeit für Sightseeing? Wie ist Dein Eindruck von der Stadt Istanbul?
Die Stadt ist unglaublich groß, laut und lebhaft. Die kulturelle Vielfalt und das Nebeneinander von Tradition und Moderne haben mich sehr beeindruckt. Und dann natürlich die Lage: Okzident und Orient. Bei der GALA-Sightseeing-Tour standen unter anderem die Hagia Sofia, die Blaue Moschee und der Gewürzmarkt auf dem Programm. Außerdem habe ich auf eigene Faust unser Viertel erkundet, das zum Einkaufen einlädt. Und bei den abendlichen Essen konnte ich kulinarische Höhepunkte der türkischen Küche inklusive Bauchtanz-Darbietungen genießen.

Dein Fazit in einem Satz?
Eine absolut lohnenswerte Veranstaltung: Spannende Location, interessante Leute – wir alle sind wirklich Teil einer tollen Language-Business-Community, mit der es sich lohnt zu netzwerken!


Weitere Quelle:
http://www.gala-global.org/conference/

transcript-blogger
19/03/2014 - 16:08

Linguistisches Handwerk oder Wissenschaft – in welche dieser Kategorien fällt Ihrer Meinung nach das Übersetzen? Tatsächlich ist die Wissenschaftlichkeit des Übersetzens seit den 1950er und 1960er Jahren etabliert. In diesem Rahmen war das Übersetzen, der sogenannte „Translationsprozess“ oder kurz „Translation“, zunächst ein Teilbereich der Sprachwissenschaft. Bis zu den 1980er Jahren gab es die offizielle Bezeichnung „Übersetzungswissenschaft“.
Ab Mitte der 1980er Jahre kam ein neuer Begriff ins Spiel: die Translationswissenschaft. In akademischen Kreisen ist diese Wissenschaftsdisziplin der heute gängige Oberbegriff für die Wissenschaft vom Dolmetschen und Übersetzen. Im Englischen haben sich die Bezeichnungen „science of translating“, „science of translation“ bzw. „translation science“ nicht durchgesetzt – weil der englische Begriff „science“ die Naturwissenschaften meint. Deshalb schlug Holmes 1972 die englischen Standardbezeichnung „translation studies“ vor.
Die deutschsprachige Bezeichnung „Translationswissenschaft“ ist Programm. Der Begriff „Translation“ beinhaltet eine deutliche Abgrenzung gegenüber der eher linguistisch ausgerichteten Übersetzungswissenschaft. Insofern rückten neben text- und soziolinguistischen Aspekten der kulturelle Rahmen und die Textadressaten als Bezugspunkt der Übersetzung stärker in den Mittelpunkt. Die Übersetzer oder besser gesagt „Translatoren“ handeln in dieser Hinsicht heute mehr denn je als Text- und Kulturexperten. Nach Erich Prunč, Professor für Übersetzungswissenschaft in Graz, nimmt der „Translator“ geradezu eine gesellschaftliche Aufgabe wahr: nämlich die Unterschiede zwischen verschiedenen Kulturen sichtbar zu machen und zu überwinden. In seinem Buch Entwicklungslinien der Translationswissenschaft. Von den Asymmetrien der Sprachen zu den Asymmetrien der Macht zeichnet Prunč eine Entwicklungslinie des Übersetzens und Dolmetschens von der kontrastiven Linguistik über die Kommunikationswissenschaft bis zu kultur- und sozialwissenschaftlichen Aspekten. Fazit ist laut Prunč die Übersetzung bzw. Translation als „transkulturelles und doch kulturspezifisches Handeln“. Natürlich dienen unsere Übersetzungen bei @transcript nicht in erster Linie Forschung und Wissenschaft, sondern unterstützen den wirtschaftlichen Erfolg unserer Kunden. Dennoch verstehen auch wir uns – insbesondere im Bereich der Lokalisierung – als linguistisch-kulturelle Brückenschläger in globalisierten Märkten.

Quellen:
http://www.relue-online.de/neu/2010/07/vom-wort-vom-sinn-von-der-kraft-und-von-der-tat/
http://www.e-ope.ee/_download/euni_repository/file/535/KirjalikuTA.zip/Kap3_Geschichte/entwicklung_der_translationswissenschaft.html
Erich Prunč: Entwicklungslinien der Translationswissenschaft. Von den Asymmetrien der Sprachen zu den Asymmetrien der Macht, Berlin: Frank & Timme 2007 (TransÜD – Arbeiten zur Theorie und Praxis des Übersetzens und Dolmetschens, Bd. 14) 438 Seiten.