Aktuelles aus dem Universum der Übersetzung und Softwarelokalisierung

Wir sind Sprachfreaks, das geben wir gerne zu. Die Welt der Übersetzung und Software-Lokalisierung ist spannend und faszinierend. Aber auch unser Büro-Alltag sorgt für die ein oder andere Schlagzeile. An dieser Stelle bloggen wir regelmäßig Interessantes für unsere Kunden, Freunde und Mitarbeiter. Bleiben Sie dran!

Damit unser Blog immer aktuell ist und keine Verzögerungen durch Übersetzungen in andere Sprachen entstehen, erstellen wir die Posts in den zwei Kernsprachen Englisch und Deutsch. Über die RSS-Funktion können Sie die Blogeinträge gerne abonnieren. Keep in touch with @transcript!


transcript-blogger
28/08/2014 - 11:26

Träumen Sie auch manchmal davon, Fremdsprachen quasi „im Schlaf“ zu lernen? Durch die ganze Welt zu reisen und die Muttersprachen aller bereisten Länder zu verstehen und zu sprechen? Tatsächlich gibt es sie immer mal wieder: Sprachgenies, die mit linguistischer Leidenschaft eine große Anzahl von Sprachen erlernen und mit Leichtigkeit anwenden. Ihnen scheinen – im Gegensatz zu „Otto Normalmensch“ – die Fremdsprachen nur so zuzufliegen.
Berühmtestes Sprachwunder der Menschheitsgeschichte ist wohl Emil Krebs (1867–1930). Er war Sinologe, Diplomat und langjähriger Mitarbeiter des Sprachendienstes des Auswärtigen Amtes. Angaben seines Großneffen Eckhard Hoffmann zufolge beherrschte Krebs bis zu seinem Tod 68 Sprachen in Wort und Schrift; darüber hinaus befasste er sich mit 100 weiteren Sprachen. Bereits nach seinem Schulabschluss brachte er es auf zwölf Fremdsprachen. Während er zunächst Theologie und Rechtswissenschaften studierte, schwenkte er später auf das Studium östlicher Sprachen und Kulturen um. Chinesisch hatte es ihm dabei ganz besonders angetan. So wurde er denn auch 1893 als Dolmetscher für den Auswärtigen Dienst nach Peking entsandt. Ganze 24 Jahre sollte er dort bleiben – bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und China am 25. März 1917. Fortan übernahm Krebs verschiedene Aufgaben im Auswärtigen Amt und widmete sich weiterhin fast besessen dem Erwerb neuer Sprachen. Jede für ihn „neue“ Sprache wollte, ja musste er auf der Stelle erlernen. Als er einmal bei einem Empfang zwei dunkelhaarige Herren traf, die ihm unbekannte Sprachlaute von sich gaben, fand er postwendend heraus, dass es sich dabei um das von ihm noch nicht beherrschte Armenisch handelte. Das Auswärtige Amt erinnert auf seiner Website an diese Anekdote um Emil Krebs: „Noch am gleichen Tag bestellte er (…) eine armenische Grammatik, altarmenische Kirchenliteratur und moderne armenische Romane. Für die armenische Grammatik brauchte er zwei, für das Altarmenische drei und für die gesprochene Sprache vier Wochen.“
Auch der Libanese Ziad Fazah gehört zu der Spezies der Sprachgenies. Der mittlerweile im brasilianischen Porto Alegre lebende Sprachrekordler bringt es nach Angaben des Guinness Buch der Rekorde auf 58 Sprachen, die er lesen, verstehen und sprechen kann. Bis zur 1998-Ausgabe des Rekord-Buches war Fazah damit der Zeitgenosse mit den meisten beherrschten Sprachen weltweit. Aktuelle TV-Shows lassen allerdings leise Zweifel aufkommen, da Fazah teilweise einfachste Fragen, zum Beispiel in griechischer Sprache, nicht verstand.
Die Methoden des Spracherwerbs seitens der Sprachgenies variieren enorm. Von dem italienischen Kardinal Giuseppe Mezzofanti (1774–1849) heißt es zum Beispiel, er habe die Mehrzahl der über 70 von ihm beherrschten Sprachen dadurch gelernt, indem er fremdsprachigen Gläubigen die Beichte abnahm… Ein ganz neues Verständnis des Beicht-Geheimnisses!

Quellen:
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/AAmt/Dienste/Aktuell/EmilKrebsNeu_node.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Ziad_Fazah

http://www.weikopf.de/index.php?article_id=84

 

transcript-blogger
14/08/2014 - 11:27

Die @transcript-Heimat Köln im Westen Deutschlands ist bedeutender Wirtschaftsstandort und Messeplatz. Am 13. August öffnete die gamescom den Fachbesuchern ihre Türen; vom 14. bis 17. August steht sie parallel dem privaten Publikum offen. Die gamescom findet bereits seit 2009 auf dem Kölner Messegelände statt. Sie ist die mittlerweile weltweit erfolgreichste Messe für Computer- und Videospiele und die größte europäische Konsumentenmesse überhaupt. Angesichts dieser Erfolge verlängerten der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) und die Koelnmesse unlängst ihren Messevertrag. Die gamescom bleibt also auch in Zukunft in Köln – ein großer Erfolg für den Digital-Standort Deutschland. Die Veranstaltung hat sich im Laufe der Jahre zum weltweit größten Event für Interaktive Unterhaltung gemausert. Alleine im letzten Jahr besuchten rund 340.000 Gamer und Unternehmen der Spiele-Industrie aus der ganzen Welt die gamescom in Köln – ein neuer Rekord. „Die Erfolge der vergangenen Jahre haben das Bekenntnis der internationalen Videospiel-Industrie zur gamescom am Standort Deutschland gesichert“, resümiert Dr. Maximilian Schenk, Geschäftsführer des BIU. Fakt ist, dass sich digitale Spiele international größter Beliebtheit erfreuen. Mittlerweile spielen alle Altersgruppen aus allen gesellschaftlichen Schichten auf den unterschiedlichen Spieleplattformen. Dr. Bernd Fakesch, Vorstand des BIU, liefert die Zahlen: „Als die gamescom 2009 erstmals in Köln stattfand, spielten rund 20 Prozent der Bevölkerung – heute spielt fast jeder Zweite.“
Ein weiterer Trend ist die Internationalisierung der Branche. Je internationaler das Business wird, desto wichtiger eine professionelle Spiele-Lokalisierung. Die gamescom bietet auch den Rahmen für einen professionellen Austausch zwischen Spieleentwicklern und Agenturen für Übersetzung und Lokalisierung wie @transcript. Denn nur wenn ein Videospiel perfekt an das jeweilige kulturelle Framework angepasst ist, kann es richtig erfolgreich werden (siehe dazu auch Blogeintrag vom 19.10.2012).
Ab heute heißt es also in Köln: gamescom – Celebrate the games – Spielend neue Welten entdecken.

http://www.gamescom.de/de/gamescom/home/index.php

transcript-blogger
31/07/2014 - 13:37

Frühkindliche Zweisprachigkeit ist Gegenstand vieler Studien und kontroverser Diskussionen: Kann eine zweisprachige Erziehung die kindliche Sprachentwicklung verzögern? Führen zwei parallel erlernte Sprachen dazu, dass ein Kind am Ende keine der beiden Sprachen richtig spricht? Oder ist das frühe Erlernen zweier Sprachen im häuslichen Umfeld einfach nur ein großer Vorteil, weil die Kinder beide Sprachen spielerisch lernen und auch später noch fließend sprechen?
Die Antwort: Das kommt darauf an. Und zwar auf die genauen Umstände, unter denen der bilinguale Spracherwerb stattfindet.
Es gibt zwei Kategorien der Zweisprachigkeit bei Kindern: Als simultan bilingual bezeichnet man ein Kind, das bereits in den ersten zwei bis drei Lebensjahren zwei Sprachen lernt – beispielsweise weil eines der beiden Elternteile Chinesisch, das andere Englisch spricht. Bei der simultanen Früh-Zweisprachigkeit kann es tatsächlich etwas länger als „normal“ dauern, bis das Kind sprechen lernt. Allerdings werden die anfänglichen Defizite später meist locker aufgeholt. Damit die erworbene Zweisprachigkeit nicht verloren geht, müssen beide Sprachen die gesamte Kindheit über aktiv gepflegt werden.
Konsekutive Zweisprachigkeit bedeutet dagegen, dass ein Kind in den ersten drei Lebensjahren zunächst nur eine Muttersprache erlernt. Ab dem Alter von drei Jahren kommt dann – beispielsweise durch einen Umzug in ein anderes Land – eine zweite Gebrauchssprache hinzu. Lernt das Kind die zweite Sprache in einer natürlichen Umgebung bis zum Beginn der Pubertätsphase, so stehen die Chancen gut, diese neue Sprache später wie ein Muttersprachler zu beherrschen. Aber Vorsicht: Auch die zuerst erlernte Sprache muss unbedingt weiter gepflegt werden, sonst vergisst das Kind sie nämlich.
Eine typische Besonderheit im Spracherwerb simultan bilingualer Kinder sind die sogenannten Sprachmischungen. Manchmal sind dies einzelne Wörter („Ich gehe zum playground“), manchmal mischen sich auch grammatikalische Elemente („I have my brother gesawt“). Das deutet aber nicht etwa darauf hin, dass das Kind mit den beiden Sprachen überfordert ist, sondern wird von Forschern als Ausdruck sprachlicher Kompetenz und Kreativität gewertet. Studien belegen, dass zweisprachige Kinder in Intelligenztests besser abschneiden und auch mit Sprachprüfungen besser klarkommen, weil sie geübter im Umgang mit Konzepten wie Satzbau und Grammatik sind.
Generell kann ein bilingualer Spracherwerb bei Kindern nur dann erfolgreich sein, wenn sowohl beide Eltern als auch das soziale Umfeld wie Kindergarten oder Schule konsequent daran mitwirken. Am besten erlernt ein Kind schon früh die unterschiedlichen Sprachen seiner Eltern, wenn jedes Elternteil konsequent die eigene Muttersprache mit ihm spricht („one person – one language“-Konzept). Außerdem sollte es feste Strukturen geben, in welchen Situationen welche Sprache gesprochen wird („Bei den Mahlzeiten sprechen wir immer Chinesisch, und wenn Mama mich ins Bett bringt, erzählt sie die Gutenachtgeschichte in ihrer Muttersprache Englisch“).
Bleibt noch die entscheidende Frage, ob zweisprachig aufgewachsene Kinder dazu prädestiniert sind, gute Übersetzer oder Dolmetscher zu werden. Die Erfahrung zeigt, dass Bilingualität nicht automatisch bedeutet, Textinhalte oder das gesprochene Wort professionell von einer Sprache in die andere zu übertragen. Denn Sprachkompetenz ist nur ein Element der professionellen Fähigkeiten eines Übersetzers. Genauso wichtig für das Übersetzen und Dolmetschen sind das fachliche Wissen, die technische Kompetenz und eine kontinuierliche Lernbereitschaft.

Quellen:
http://www.bielefelder-institut.de/fruehkindliche-zweisprachigkeit.html#1
http://www.welt.de/wissenschaft/article4109884/Zweisprachige-Kinder-lernen-leichter.html