Aktuelles aus dem Universum der Übersetzung und Softwarelokalisierung

Wir sind Sprachfreaks, das geben wir gerne zu. Die Welt der Übersetzung und Software-Lokalisierung ist spannend und faszinierend. Aber auch unser Büro-Alltag sorgt für die ein oder andere Schlagzeile. An dieser Stelle bloggen wir regelmäßig Interessantes für unsere Kunden, Freunde und Mitarbeiter. Bleiben Sie dran!

Damit unser Blog immer aktuell ist und keine Verzögerungen durch Übersetzungen in andere Sprachen entstehen, erstellen wir die Posts in den zwei Kernsprachen Englisch und Deutsch. Über die RSS-Funktion können Sie die Blogeinträge gerne abonnieren. Keep in touch with @transcript!


transcript-blogger
25/06/2015 - 09:31

Wir Deutschen lieben unsere Bauernregeln, da rüttelt auch das Web 2.0 nicht dran. Fast jeder kennt sie, die Volksreime über das Wetter und seine Konsequenzen für die Landwirtschaft. Sie zieren Wandkalender genauso wie Online-Monatsübersichten. Ein „Star“ unter den Bauernregel-Jahrestagen ist – ähnlich wie die „Kalte Sophie“ – der Siebenschläfertag am 27. Juni jeden Jahres.
Drei Varianten der Siebenschläfer-Bauernregel kursieren – entsprechende Reime dazu gibt es in großer Vielfalt:
1. Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne.
2. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.
3. Regnet’s am Siebenschläfertag, der Regen sieben Wochen nicht weichen mag.

Heißt also bestenfalls: Scheint am kommenden Samstag die Sonne, können wir uns auf sieben Wochen sonniges Sommerwetter freuen. Das Negativ-Szenario möchten wir uns besser gar nicht ausmalen… Zu spaßen ist mit dem Siebenschläfertag wirklich nicht. Die Gültigkeit der Siebenschläfer-Bauernregel ist sogar statistisch bewiesen: Meteorologen wie Horst Malberg, früherer Leiter des Meteorologischen Instituts der Freien Universität Berlin, haben herausgefunden, dass die Regel – zumindest in Süddeutschland – mit bis zu 80prozentiger Wahrscheinlichkeit zutrifft. Das hängt mit meteorologischen Besonderheiten zusammen: Üblicherweise entwickelt sich gegen Ende Juni, Anfang Juli in Mitteleuropa eine stabile Großwetterlage, die uns mehrere Wochen lang sehr warmes Wetter oder eben dauerhaft wechselhaftes, feuchtes Wetter beschert.
Namensgeber des Siebenschläfertags ist nicht etwa das putzige, nachtaktive Nagetier namens „Siebenschläfer“. Vielmehr geht der Gedenktag auf die Legende von den sieben Schläfern von Ephesus aus dem 6. Jahrhundert zurück. Sieben junge Christen waren vor ihrem Verfolger Kaiser Decius (249 – 251) in eine Berghöhle geflohen; ihre Peiniger hatten ihr Versteck entdeckt und sie bei lebendigem Leibe in der Höhle eingemauert. Am 27. Juni 446 wurden die sieben zufällig wiederentdeckt, als jemand die Steine vom Höhleneingang entfernte und sie schlafend vorfand. Knapp 200 Jahre hatten sie der Legende nach geschlafen, bezeugten noch ihre Auferweckung und starben dann endgültig. Varianten dieser Legende gibt es in Syrien, Griechenland und im Islam.
Der Siebenschläfertag hat eine so lange Tradition, dass er sogar die gregorianische Kalenderreform überdauert hat: Im Jahr 1582 wurden zehn Tage übersprungen, sodass der Lostag für die Wetterprognose streng genommen der 7. Juli sein müsste.
Ob nun ab Ende Juni oder Anfang Juli sieben Wochen schönes oder schlechtes Wetter ist: Unser Blog verabschiedet sich bis Mitte August  in die Sommerpause. Das @transcript-Team wünscht Ihnen einen erholsamen Sommer!

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_Schl%C3%A4fer_von_Ephesus
http://de.wikipedia.org/wiki/Siebenschl%C3%A4fertag
http://www.welt.de/vermischtes/article107263959/Tag-der-Entscheidung-ueber-das-Sommerwetter.html

transcript-blogger
18/06/2015 - 09:44

„‚Sie rächet sich gegen ihre Verächter!‘ Dies sagt Luther von der Grammatik der Worte, und noch mehr ließe es sich von der Grammatik der Gedanken, von der Philosophie sagen.“ Mit tiefgründigen Worten des großen deutschen Philosophen Herder beginnen wir unsere Einblicke in ein von vielen ungeliebtes Thema: die Grammatik. In der Branche der Übersetzung und Lokalisierung versteht sich der Anspruch an eine korrekte „Grammatik der Worte“ von selbst. Denn das „Verachten“ grammatischer Regeln könnte sich böse „rächen“. Man stelle sich einmal vor, welch fatale Folgen fehlerhafte Handbücher oder durch falsche Grammatik missverständliche Bedienungsanleitungen komplizierter Maschinen und Systeme haben könnten.
Bei der Grammatik der Alltagssprache geht es hingegen erst einmal ganz entspannt zu: In unserer Muttersprache laufen sprachliche Prozesse – mit wenigen Ausnahmen – ab einem bestimmten Lebensalter weitestgehend intuitiv ab. Wenn wir die Muttersprache sprechen oder schreiben, müssen wir uns kaum Gedanken über die komplexe Architektur der Sprache machen. Die meisten von uns verfluchen die Grammatik aber spätestens dann, wenn wir eine oder mehrere Fremdsprachen lernen. Denn in einer neu zu erlernenden Sprache müssen wir uns das dichte Regelwerk der grammatikalischen Strukturen erst mühsam aneignen, bevor unser Gehirn die Sprache korrekt verarbeitet und uns befähigt, sie fehlerfrei zu sprechen bzw. zu schreiben. An den zwei Hauptgebieten der Grammatik kommt in diesem Zusammenhang niemand vorbei – auch dieser Artikel nicht: Syntax und Morphologie. Syntax bezieht sich auf die Struktur von Sätzen, also die Anordnung einzelner Worte im Satzzusammenhang, während Morphologie sich mit der Struktur einzelner Wörter befasst. Die Linguistik dehnt den Grammatikbegriff weiter aus auf die Lautlehre (Phonologie) und Bedeutungslehre (Semantik) im Hinblick auf Regeln zum Aufbau sprachlicher Bedeutung. „Kunst des Lesens und Schreibens“ ist die Übersetzung des griechischen Begriffs grammatikē. Besonders auf den Griechen Protagoras geht die Entwicklung der wissenschaftlichen Grammatik mit den drei Säulen Genus, Tempus und Modus zurück.
Und, schon die Nase voll von langweiliger Grammatik-Theorie? Dann haben wir noch etwas Spannendes zum Schluss: Wie ein Team amerikanischer Wissenschaftler um den Forscher Alfonso Caramazza an der Harvard-Universität herausfand, gibt es für die beiden grundlegenden Kategorien jeder Grammatik, nämlich Nomen und Verben, unterschiedliche „Speicherorte“ im menschlichen Gehirn. Ist für die Verarbeitung von Verben der linke präfrontale Cortex und ein Teil des linken Scheitellappens verantwortlich, so werden Nomen in einem Teil des linken Schläfenlappens gespeichert. Studien mit Hirngeschädigten belegen das: Je nach beeinträchtigter Hirnpartie konnten die Patienten entweder nur noch Nomen oder Verben aussprechen.

Quellen:
http://woerterbuchnetz.de/DWB/?lemma=Grammatik
http://www.weikopf.de/index.php?article_id=72
http://de.wikipedia.org/wiki/Grammatik
http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/1029383/

transcript-blogger
03/06/2015 - 09:54

Die Localization World geht in die 28. Runde. Das als Marktplatz der Language Industry bekannte Event für Lokalisierung und Übersetzung findet vom 3. bis 5. Juni 2015 in Berlin statt. Im Dezember vergangenen Jahres verpassten sich die Veranstalter ein neues „Outfit“ und kreierten die Marke LocWorld mit dem vielversprechenden Claim Discover Global Success...
Gleich zweimal jährlich kommen die Language Professionals zur LocWorld zusammen; das nächste Mal schon im Oktober im Silicon Valley. Das Dachthema beider LocWorld-Veranstaltungen in diesem Jahr ist Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT). Nicht verwunderlich, denn an diesem Thema kommt nicht erst seit der letzten CeBIT kein zukunftsorientiertes Unternehmen mehr vorbei.
Wie beeinflusst das Internet der Dinge die Prozesse in Lokalisierung und Übersetzung? Wie ein Blick auf die Agenda der Veranstaltung zeigt, sind vor allem Content-Strategien und Content-Lokalisierung wichtige Schlagwörter. Damit sich „die Dinge“, das heißt Geräte und Maschinen vom Kühlschrank bis hin zur hochtechnisierten Produktionsstraße, gewinnbringend mit dem Worldwide Web und auch untereinander vernetzen können, muss smarter und lokalisierter Content vorliegen, den sie verstehen und optimal verarbeiten können.
Dazu ein kleiner Exkurs zum Internet der Dinge: Es war Kevin Ashton, Mitgründer und damaliger Leiter des Auto-ID Center am Massachusetts Institute of Technology (MIT), der den Begriff 1999 erstmals verwendete. Seiner Vision nach sollten mit Computertechnologie ausgerüstete Geräte auch ohne menschliches Zutun in der Lage sein, Informationen auszuwerten und eigenständig zu „handeln“. Das medial am meisten breitgetretene Beispiel ist wohl der mit Sensoren ausgerüstete Kühlschrank, der ganz smart online Butter und Milch nachbestellt, sobald diese aufgebraucht sind. Bis heute konnten sich – aus welchen Gründen auch immer – derartige Kühlschränke in der realen Welt nicht durchsetzen. Dafür gibt es aber eine Menge anderer Bereiche, in denen das Internet der Dinge längst Wirklichkeit ist. Bestes Beispiel ist die Echtzeit-Logistik vieler Paketzusteller: Dank Radio Frequency Identification (RFID) lässt sich online nachverfolgen, wo das Paket mit den heiß ersehnten neuen Schuhen sich gerade befindet – und ob der Paketmann schon in der Nähe des Zustellortes unterwegs ist.
Immer mehr Dinge bekommen eine „Identität“ in Form eines Codes und können Informationen speichern, senden und auswerten. Dazu gehören im privaten Bereich die beliebten Fitness-Armbänder, die sich über Apps mit dem Internet verbinden und die gespeicherten Daten auf Wunsch auch in Abgleich mit anderen Personen ansprechend auswerten. Oder die viel zitierte vernetzte Zahnbürste, die via Smartphone-App mit ihrem Besitzer kommuniziert und ihn beispielsweise warnt, wenn er es mit dem Druck beim Zähneputzen ein bisschen zu gut meint…
Die Zukunft 4.0 könnte demnach bald so aussehen: Mein Wecker klingelt wie gewohnt um 5.45 Uhr, weist mich aber mit einer digitalen Sprachnachricht darauf hin, dass aufgrund von Staus auf meiner Stammstrecke ein Losfahren vor 7.30 Uhr keinen Sinn macht. Er schlägt selbstständig die neue Weckzeit von 6.30 Uhr vor. Nachdem ich mit Stimmsteuerung mein „Go“ gegeben und mich nochmal gemütlich im Bett umgedreht habe, instruiert der Wecker mein Auto, die Standheizung erst um 7.20 Uhr zu starten, also 45 Minuten später als gewohnt. Auch der morgendliche Online-Brötchen-Lieferservice wird von meinem smarten Wecker informiert, dass ich heute etwas später frühstücke, während mein Autotelefon meinem Arbeitgeber mitteilt, dass ich heute etwas später im Büro eintreffen werde…
Wie der IT-Gigant Cisco prophezeit, werden im Jahr 2020 über 50 Milliarden Dinge miteinander kommunizieren – vom Thermostat im heimischen Wohnzimmer bis hin zur hochkomplexen Maschine. Es sind spannende Wachstumsperspektiven, die das Internet der Dinge der Language Industry eröffnet. Get prepared!

http://www.internet-der-dinge.de/de/wasistdasinternetderdinge.html
http://www.cebit.de/de/news-trends/trends/internet-der-dinge/artikel-2015/
http://upload-magazin.de/blog/7086-internet-der-dinge-beispiele/
http://de.wikipedia.org/wiki/Internet_der_Dinge
http://locworld.com/