Aktuelles aus dem Universum der Übersetzung und Softwarelokalisierung

Wir sind Sprachfreaks, das geben wir gerne zu. Die Welt der Übersetzung und Software-Lokalisierung ist spannend und faszinierend. Aber auch unser Büro-Alltag sorgt für die ein oder andere Schlagzeile. An dieser Stelle bloggen wir regelmäßig Interessantes für unsere Kunden, Freunde und Mitarbeiter. Bleiben Sie dran!

Damit unser Blog immer aktuell ist und keine Verzögerungen durch Übersetzungen in andere Sprachen entstehen, erstellen wir die Posts in den zwei Kernsprachen Englisch und Deutsch. Über die RSS-Funktion können Sie die Blogeinträge gerne abonnieren. Keep in touch with @transcript!


transcript-blogger
23/06/2016 - 09:32

Die Modern Language Association of America (MLA) ist der führende US-Berufsverband für Literaturwissenschaftler und Literaturkritiker. Seine über 30.000 Mitglieder (davon rund zweitausend außerhalb Nordamerikas lebend) sind in erster Linie Professoren, Doktoranden und andere Akademiker, die sich wissenschaftlich mit englischer und anderssprachiger Literatur befassen.
Erstmals seit ihrer Gründung im Jahr 1883 veranstaltet die MLA ein heute beginnendes Symposium außerhalb der USA und Kanadas. Kooperationspartner der dreitägigen Literatur-Veranstaltung (bis 25. Juni 2016) ist die Heinrich-Heine-Universität zu Düsseldorf, der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt am Rhein.
Europa, der alte Kontinent, erlebt derzeit eine tiefgreifende Transformation. Themen wie Migration, Integration und leider auch Terror sind omnipräsent. Europa muss seine Rolle für die literarische und kulturelle Welt, die seit jeher zentral war, in Zeiten nicht abreißender Flüchtlingsströme neu definieren. Vielsagender Titel des MLA-Symposiums in Deutschland: „Other Europes: Migrations, Translations, Transformations“. Das Veranstaltungsprogramm ist so vielfältig wie der europäische Kontinent: Die insgesamt fast 70 Sessions umspannen ein Themenspektrum, das von der (literarischen) Auseinandersetzung mit der frühen europäischen Geschichte über den Holocaust bis hin zu aktuellen Themen wie der Krise Griechenlands und der Migrationsströme reicht. An unterschiedlichen Veranstaltungsorten in der Stadt Düsseldorf tauschen sich die Literaturwissenschaftler in verschiedenen Veranstaltungsformaten wie Keynote Talk, Roundtable-Diskussionen und Intensiv-Workshops aus. Auch „Handwerkszeug“ wird dabei vermittelt, zum Beispiel „Literarisches Übersetzen“ oder „Translation Theory“. Lesungen halten unter anderem der britische Philosoph und Autor Kwame Anthony Appiah, die US-Philosophin Susan Neiman, der britische Filmemacher Isaac Julien sowie die Schriftstellerinnen Eva Hoffman und Yoko Tawada. In einem im September 2008 auf „Zeit online“ erschienenen Interview schildert die in Berlin lebende Japanerin Tawada, wie das Schreiben in deutscher Sprache ihre Sicht auf ihr Mutterland Japan verändert hat: „Ich sehe die japanische Sprache, die historischen Probleme und die Möglichkeiten, was man aus ihnen machen kann, von außen. Dabei ist die deutsche Sprache mein Standpunkt. Von dort aus kann ich anders beobachten.“ Sprache als Instrument zu einer neutraleren Weltsicht – ein solcher Ansatz der „Außenschau“ birgt Chancen auch für die zukünftige Rolle Europas in einer globalisierten Weltgemeinschaft.
Hier finden Sie das vollständige Programm des MLA International Symposiums in Düsseldorf: https://mlasymposia.commons.mla.org/files/2015/10/Symposium_program_final_4.1.pdf


Quellen:
https://mlasymposia.commons.mla.org/about/
https://de.wikipedia.org/wiki/Modern_Language_Association
http://www.zeit.de/online/2008/38/yoko-tawada

transcript-blogger
13/06/2016 - 10:13

Aller guten Dinge sind drei: Zu drei Konferenzen auf drei Kontinenten lädt in diesem Jahr wieder die Localization World (LocWorld). Tokio war im April Gastgeber für Asien; im Oktober steht mit Montréal in Kanada ein Event in Nordamerika auf der Agenda. In Europa fand der „Marktplatz der Language Industry“ letzte Woche (8. bis 10. Juni 2016) in Dublin statt. Anke Büchel, Mitglied der @transcript-Geschäftsleitung, ist als Teilnehmerin zur LocWorld nach Irland gefahren und berichtet von ihren Eindrücken.

Anke, unter welchem Motto stand das Event in Dublin?
Alle Veranstaltungen in 2016 tragen das Motto „Engaging Global Customers“. Das harmoniert perfekt mit dem Slogan der LocWorld, der seit Dezember 2014 „Discover Global Success“ lautet. Liegt auf der Hand, beschäftigen sich die Language Professionals, die zur LocWorld zusammenkommen, doch tagtäglich mit den Herausforderungen globaler Märkte.

Kannst du uns ein bisschen über die „Eckdaten“ erzählen? Wo, wer, wie viele…?
Der „Marktplatz“ von Dublin war in diesem Fall ein mondänes Konferenzzentrum: Das 2010 fertiggestellte Convention Centre Dublin (CCD) zählt zu den vier renommiertesten Konferenz-Locations weltweit. Es ist ein sehr beeindruckendes Gebäude, das aus allen Poren Innovationskraft ausstrahlt. Übrigens kamen in dieser Location bereits 2014 über 600 Teilnehmer zur LocWorld zusammen – auf die genauen Zahlen von diesem Jahr darf man noch gespannt sein. Fest steht schon jetzt: Über 100 Speaker aus renommierten Unternehmen wie Adobe Systems, Cisco Systems, Facebook, Google, IBM, Microsoft oder Salesforce haben ihr Wissen mit der Language Community geteilt. Unter den Teilnehmern waren „alte Hasen“ genauso wie Newcomer – als Besonderheit der LocWorld gilt, dass jeder im Netzwerk willkommen ist.

Welche Themen standen im Mittelpunkt?
Schon auf dem Pre-Conference-Tag gab es jede Menge „Brain Food“: Man hatte die Qual der Wahl mit Workshops zu Themen wie Biowissenschaften, Spiele-Lokalisierung, Vertrieb &  Marketing, Lokalisierung für Startups oder Qualitätsmanagement.
An den beiden Haupt-Veranstaltungstagen waren die Angebote dann neun „Themensträngen“ zugeordnet, unter anderem Advanced Localization Management, Technical, Content Strategy, Language Service Providers und Global Business.

Was war dein persönliches Highlight?
Schwer zu sagen, weil es so viel thematisch ungeheuer Interessantes gab. Ein Höhepunkt war auf jeden Fall die zentrale Keynote am 10. Juni „Engaging Global Customers at the Speed of Now“. Vertreter globaler Player wie Electronic Arts Europe, Adobe Systems, IBM und Facebook teilten ihr Wissen und ihre Erfahrung zum Thema Lokalisierung in rasanten, globalen Märkten. Wie kann man Kunden in Zeiten stark beschleunigter Produkteinführungs-Zyklen erreichen und begeistern? Eine Kernvoraussetzung dafür ist die beständige Entwicklung von Software und Content als integrativer Bestandteil von Globalisierungs-Aktivitäten. Dabei wurden nicht nur „Best Practice“-Beispiele vorgestellt, sondern auch Ausblicke in die Zukunft gewagt. Sehr interessantes Thema, auch für unsere Arbeit hier bei @transcript.

Hattest du bei all diesen Angeboten überhaupt Gelegenheit, die Stadt zu erkunden?
Neben der Wissensvermittlung ging es in Dublin wie bei jeder LocWorld-Konferenz natürlich vor allem um eines: Networking, Networking, Networking. Neben dem legendären Welcome Dinner in einer urigen irischen Location direkt am Hafen gab es auch eine Abendveranstaltung in einem Restaurant im Dubliner Stadion Croke Park – dem drittgrößten Stadion Europas. Das war wirklich beeindruckend.

Dein Resümee?
Insgesamt hatte ich auf jeden Fall jede Menge für unser Business nützliche Insights, habe viele neue Kontakte knüpfen und alte auffrischen können. Es waren wieder mal ein paar großartige Tage mit den Kollegen und Freunden aus der Language Industry.

 

Quellen:
http://locworld.com/events/locworld31-dublin-2016/
https://www.youtube.com/watch?v=wKPw074VcOg

transcript-blogger
25/05/2016 - 09:26

Sicher kennen Sie das: Sie haben sich etwas vorgenommen, etwas richtig Großes und Komplexes. Eine lange, bisweilen steinige Wegstrecke Richtung Gipfel liegt vor Ihnen. Wäre es nicht sinnvoller, die Tour in Einzel-Etappen zurückzulegen? Und die Erfahrungen, die Sie auf Teilstrecken machen, in die Gestaltung der Gesamtroute einfließen zu lassen? Wenn Sie jetzt innerlich genickt haben, dann haben Sie das Grundprinzip von Agile Approach schon verstanden.
Agile Approach, so heißt das Konzept für mehr Flexibilität bei der Entwicklung komplexer Software-Lösungen. Es wird „scheibchenweise“ gearbeitet: Etappe für Etappe zum Ziel. Innerhalb mehrerer, in sich abgeschlossener Planungs- und Entwicklungszyklen (Iterationen) entsteht die Software. Richtig klug: Am Ende jedes in sich abgeschlossenen Entwicklungszyklus steht jeweils eine funktionsfähige Software. Die wird dann Schritt für Schritt, Iteration für Iteration, in enger Abstimmung mit dem Kunden weiterentwickelt und optimiert. Der wohl größte Pluspunkt des Agile Approach: Funktionalität geht vor Perfektionismus – die Software läuft schon mal, selbst wenn in frühen Etappen aus Kundensicht noch nicht alles optimal ist.
Zum Vergleich: Bei einer „klassischen“ Softwareentwicklung nach Standardmethoden ist der Kunde bis zur Fertigstellung quasi „außen vor“. Auf Basis einer vom Kunden definierten Anforderungsliste bauen die Software-Entwickler hier zunächst das Produkt, testen es und lassen es dann lokalisieren. Der Kunde erhält eine „fertig entwickelte“ Software – seine Fragen oder Änderungswünsche kommen erst spät zum Tragen. Das macht häufig aufwändige Nacharbeiten nötig, die den Prozess verteuern und den Launch der Software empfindlich verzögern können.
Beim Agile Approach dagegen stehen die Menschen und ihre Interaktionen im Mittelpunkt. Die Software-Entwicklung geschieht hier in enger Abstimmung mit dem Kunden. Wenn geänderte Kundenwünsche den ursprünglichen Plan kippen – dann ist das eben so. Eine funktionierende Software hat Vorrang vor einer akribischen Dokumentation. Schon in einer jungen Entwicklungsphase beginnt das Testen, natürlich Hand in Hand mit dem Kunden. Dank des frühen Feedbacks können die Entwickler Fehler rechtzeitig beheben. Da Änderungswünsche bereits während der Entwicklung umgesetzt werden, gibt es später kein „böses Erwachen“ in Form kosten- und zeitfressender Nacharbeiten.
Die intensive Einbindung des Kunden hat allerdings auch einen „Nachteil“: Das Prozessmanagement der Software-Entwicklung wird spürbar komplexer – ganz einfach, weil mehrere Parteien im Boot sitzen und gemeinsam den Kurs bestimmen.
Auch hier bei @transcript ist Agile Approach ein großes Thema. Wird die Software nach diesem Ansatz entwickelt, erfolgt die Lokalisierung ebenfalls nach dem Schritt-für-Schritt-Prinzip. So kann die Software gleichzeitig in mehreren Sprachversionen gelauncht werden. Allerdings ist Lokalisierung nach dem Agile Approach eine echte Herausforderung, das wissen wir aus Erfahrung.
Und das kann es kompliziert machen:
1. Dem Übersetzer fehlen Informationen zu UI-Elementen, weil es die dazugehörigen Funktionen im aktuellen Entwicklungsstand der Software noch gar nicht gibt.
2. Im finalen Entwicklungs-Schritt benennen die Entwickler Software-Komponenten um oder der Kunde ändert zum Beispiel die Bezeichnung von Produkten oder Dienstleistungen. In diesem Fall müssen auch die Übersetzungen aus früheren Entwicklungs-Schritten komplett geändert bzw. neu in die zielsprachliche Struktur eingepasst werden.
3. Projektverwaltung, -dokumentation und -fakturierung sind bei zahlreichen Teil-Projekten wesentlich zeitaufwändiger als für ein großes Projekt – bei gleichem zeitlichen Aufwand für die Übersetzung selbst. Wir empfehlen deshalb, beim Agile Approach von vornherein ein entsprechendes Projektmanagement-Budget mit einzuplanen.
4. Anpassungen an Kundenwünsche erschweren eine vorausschauende Planung von Übersetzungs-Volumina und Abgabeterminen.
Wer seine Software nach dem Agile Approach entwickeln und lokalisieren lassen möchte, tut also gut daran, dies mit erfahrenen Sparringspartnern zu tun. Mit entsprechender Erfahrung lassen sich die Hürden des Agile Approach gelassen meistern. Vorteile wie die enge Zusammenarbeit mit dem Kunden und eine frühe Funktionalität einer Software in verschiedenen Sprachen können so am Ende ganz klar überwiegen.

 

Quellen:
https://www.agilealliance.org/
http://www.agilenutshell.com/