Aktuelles aus dem Universum der Übersetzung und Softwarelokalisierung

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22/10/2014 - 15:59

Lichter, Geschenke, gutes Essen im Kreise der Verwandten: Wer denkt dabei nicht spontan an Weihnachten? Antwort: Alle Hindus, die heute und in den nächsten Tagen – rund zwei Monate vor dem Weihnachtsfest – das hinduistische Lichterfest feiern. Diwali (auch Dipavali, Divali bzw. Deepavali) zählt zu den beliebtesten Festen, die Hindus in Indien, Sri Lanka, Nepal oder anderen vom Hinduismus geprägten Ländern wie Mauritius oder Fidschi begehen. Ähnlich dem christlichen Weihnachtsfest ist es ein Fest der Freude: Die Menschen feiern den Sieg des Guten über das Böse, den Triumph des Lichts über die Dunkelheit und das Erkennen innerer Stärken. Diwali bedeutet so viel wie „Anordnung von Lichtern“ oder „Weg des Lichts“. Deshalb sind die unendlich vielen Lichter so charakteristisch für das Hindu-Fest. Neben traditionellen Öllämpchen schmücken heute elektrische Lichterketten Häuser, Geschäfte, Straßenzüge und Bäume – und auf vielen Hausdächern erstrahlen Kerzen.
Je nach Region geht Diwali auf unterschiedliche mythologische Hintergründe zurück. In Nordindien feiert man den Gott Rama, der den Dämonen Ravana besiegte und nach über einem Jahrzehnt in der Verbannung schließlich wieder in die Hauptstadt Ayodhya zurückkehrte. Der Legende nach beleuchteten die Menschen seinen Heimweg durch die Dunkelheit mit unzähligen Öllampen. In Südindien gedenkt man des Gottes Krishna. Der Sage nach besiegte er an Diwali einen Dämonen und befreite daraufhin etliche tausend Frauen, die der Dämon gefangen gehalten hatte. Im Osten Indiens ist Diwali der schwarzen Göttin Kali gewidmet, die sowohl den Tod als auch dessen Überwindung verkörpert. Hier kann es nachts ziemlich laut werden: Knallfrösche und Feuerwerkskörper erinnern dann eher an Silvester als an Weihnachten.
In den verschiedenen Regionen Indiens feiert man das Fest mit sehr unterschiedlichen Ritualen. In Nordindien dauern die Feierlichkeiten beispielsweise fünf Tage an: Am ersten Tag huldigt man dort dem Gott des Wohlstands (Dhanvantri) und der Glücksgöttin (Lakshmi). Dazu räumen viele ihr Heim auf, schmücken es, kleiden sich neu ein und kaufen neue Wertgegenstände. Den zweiten Tag beginnen die meisten Nordinder mit einem rituellen Ölbad vor Sonnenaufgang. Am dritten Tag, dem Höhepunkt des Festes, kommen die Familien zusammen und beschenken sich gegenseitig. Der vierte Tag gilt als Neujahrstag, an dem die Götter Krishna und Vishnu verehrt werden. Und am fünften Tag erhalten Frauen Geschenke von ihren Brüdern. Beim gemeinsamen Essen versprechen die Geschwister sich, einander zu beschützen.
Wer nicht Diwali feiert, kann sich vielerorts auf andere Lichterfeste in der dunklen Jahreszeit freuen: Halloween mit seinen leuchtenden Kürbissen oder das deutsche Laternenfest Sankt Martin gehören zu den Bräuchen, bei denen Licht und Kerzen ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Diwali
http://www.indienaktuell.de/magazin/kultur/diwali-fest-der-lichter-313923
http://www.br.de/interkulturell/interkultureller-kalender-diwali-lichterfest-100.html

 

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08/10/2014 - 14:07

Eine coole Messezeit verspricht Finnland als diesjähriges Gastland der Frankfurter Buchmesse, die vom 14.-18. Oktober Bücherfreunde aus der ganzen Welt in die deutsche Metropole am Main lockt. Finnland. Cool. lautet dementsprechend der Slogan des finnischen Auftritts auf der weltweit größten Literaturmesse. Damit möchten die Finnen zum einen den nordisch-kühlen Charakter ihres Landes unterstreichen, zum anderen die Coolness ihres traditionellen und zeitgenössischen Literaturangebotes kommunizieren. Wirklich cool ist, dass in Finnland jährlich etwa 4500 Buchtitel erscheinen – nur Island schafft im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl mehr Publikationen. Publiziert wird hauptsächlich auf Finnisch und Schwedisch, der zweiten Landessprache.
Die Finnen sind emsige Leseratten. Das verdanken sie unter anderem dem modernen finnischen Bibliothekssystem: In den Bibliotheken des Landes sind Bücher für jedermann zugänglich, und zwar völlig kostenlos. Bereits im Jahr 1831 wurde die Finnische Literaturgesellschaft gegründet. Sie publiziert wichtige Werke finnischer Autoren und verwaltet ein riesiges Literatur-Archiv mit neunhundert laufenden Metern Manuskripten aus allen Epochen und Genres der finnischen Literatur. Teil dieser Gesellschaft ist die 1977 gegründete FILI – Finnish Literature Exchange, die für den finnischen Gastauftritt auf der deutschen Buchmesse verantwortlich zeichnet. Erklärtes Ziel ist eine nachhaltige  Steigerung des Verkaufs der Übersetzungsrechte finnischer Literatur. Ohne bestens qualifizierte Übersetzer, die finnische Bücher in andere Sprachen übersetzen, läuft diesbezüglich rein gar nichts. Das erkannten auch die Leute von FILI und investierten in der Vorbereitungsphase des Messe-Gastauftritts vor allem in die Aus- und Weiterbildung von Übersetzern sowie den Aufbau von Übersetzer-Netzwerken. Der finnische Staat griff dafür großzügig in die Tasche: 2013 und 2014  bewilligte er Fördergelder in Höhe von insgesamt knapp einer Million Euro. Gut investiertes Geld, denn ohne professionelle Literatur-Übersetzer würde die finnische Literatur gar nicht erst in Reichweite von Lesern aus anderen Ländern gelangen – es sei denn, sie lernten Finnisch.
Auf der Messe selbst erwartet die Literatur-Übersetzer finnischer Werke ein ganz besonderes Schmankerl: FILI hat über 60 Übersetzer aus der ganzen Welt zu einem dreitägigen Veranstaltungsprogramm nach Frankfurt eingeladen, damit sie die Buchmesse aus Profisicht kennenlernen und erfahren, welche Rolle sie als Übersetzer für den Literaturexport spielen. So sollen aus Übersetzern Botschafter der finnischen Literatur in ihren jeweiligen Ländern werden. Diese Art von Fokussierung auf die Übersetzer ist ein absolutes Novum auf der Frankfurter Buchmesse – und echt cool. Finden wir zumindest.

Quellen:
http://www.buchmesse.de/de/ehrengast/
http://finnlandcool.fi/?lang=de
http://www.finn-land.net/finnland-f/finnischeliteraturgesellschaft.htm

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11/09/2014 - 11:00

Gar nicht so einfach, die Sache mit den linguistischen Definitionen. Möchte man dem Unterschied zwischen Dialekt und Sprache auf den Grund gehen, tut man gut daran, sich zunächst mit der Definition von „Dialekt“ zu befassen. Der Begriff wurzelt in dem griechischen dialegomai, was so viel bedeutet wie „miteinander reden“. Johann Wolfgang von Goethe sah das ganz ähnlich, indem er sagte: „Beim Dialekt fängt die gesprochene Sprache an.“ Philipp von Zesen, deutscher Dichter aus dem 17. Jahrhundert, definierte Dialekt als „lokale oder regionale Sprachvarietät“. Die „Varietät“, also unterschiedliche Ausprägung, kann dabei alle Sprachbereiche betreffen: Lautebene (Phonologie), Wortbeugung (Morphologie), Wortschatz (Lexik), Satzbau (Syntax) und Ausdrucksformen bzw. Redewendungen (Idiomatik).

Bezugsgröße der Dialekte ist per Definition die Standardsprache, welche alle Dialekte der Regionen eines definierten Sprachraumes überdacht – weshalb sie auch „Dachsprache“ genannt wird. Eine Dachsprache ist, anders als der Dialekt, eine überregionale Sprache. Dialektsprecher derselben Sprache, die weit voneinander entfernt wohnen und ihre unterschiedlichen Dialekte deshalb gegenseitig nicht verstehen, können sich für reibungslose Kommunikation der überörtlichen Dachsprache bedienen. So weit, so gut.

Kniffliger wird es, wenn man sich in einer klaren Abgrenzung zwischen Dialekt und Sprache versucht. Linguistisch umstrittenes und doch häufig genanntes Unterscheidungskriterium ist die gegenseitige Verständlichkeit. Heißt theoretisch: Wenn sich zwei Menschen gegenseitig verstehen, muss es sich um zwei Dialekte derselben Sprache handeln. Verstehen sie einander nicht, dann wird es sich vermutlich um zwei unterschiedliche Sprachen handeln.

In der Praxis ist das allerdings häufig anders. Hierzu ein Beispiel: In Skandinavien verstehen sich die Sprecher der kontinentalen Sprachgruppe Dänisch, Schwedisch und Norwegisch problemlos untereinander, ebenso die Sprecher der insularen Sprachgruppe Isländisch und Färöisch. Dennoch gibt es aus historisch-politischen Gründen nicht nur zwei, sondern fünf skandinavische Sprachen: Jede politische Einheit, jedes Land hat seine eigene Sprache – die Norweger ihr Norwegisch, die Schweden ihr Schwedisch usw. Der Grund: Europa ist ein Kontinent der Einsprachigkeitsideologie; sprachliche und politische Einheit sind hier historisch bedingt eng miteinander verknüpft. So mancher Dialekt, beispielsweise einer der unzähligen sehr unterschiedlichen Dialekte Italiens, wird deshalb quasi zwangsweise unter das Dach der Standardsprache gestellt. Interessant: Romanische Sprachen sind so gesehen moderne Dialekte des Lateinischen!

Ein Gegenbeispiel zu Europa ist China: Obwohl China eine politische Einheit ist, unterscheiden sich die in den verschiedenen Landesteilen gesprochenen Dialekte in Aussprache und Wortschatz stark voneinander – und zwar etwa so wie in Europa die romanischen Sprachen. Ein Nordchinese kann sich mit einem Südchinesen mündlich nicht verständigen. Die chinesische Schriftsprache dagegen ist dialektübergreifend, kann also von allen verstanden werden. Die vermeintlichen „Dialekte“, mehrere Hundert an der Zahl, lassen sich in acht Hauptsprachen einteilen.

Zum Schluss noch ein Wort zur Zukunft der Dialekte: Sie sind auf dem Rückzug. Während die Standardsprache „Deutsch“ in den 1950er Jahren von den meisten Sprechern des deutschen Sprachraumes noch als eher „fremde Sprache“ empfunden wurde, gilt das heute allenfalls noch für die Menschen in Süddeutschland. Insbesondere Neologismen finden kaum noch Einzug in die Welt der Dialekte – und auch bei der Mediennutzung ist die jeweilige Standardsprache das Maß aller Dinge.

Quellen:
http://www.uni-augsburg.de/akademische_frage/39_Reinke_Dialekt.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Dialekt
http://www.weikopf.de/index.php?article_id=81