Aktuelles aus dem Universum der Übersetzung und Softwarelokalisierung

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18/05/2015 - 14:43

Bereits zum 60. Mal steigt im Mai der große europäische Musikwettbewerb European Song Contest (ESC). Das Festival hat mittlerweile eine riesige Fangemeinde von insgesamt über 150 Millionen Zuschauern. Nicht nur Europäer, auch Fans in Australien, Neuseeland, Kanada, den USA, Japan, China, Korea, Hongkong und Indien stehen auf den Sängerwettbewerb, bei dem in diesem Jahr 40 Künstler um den begehrten Titel wetteifern. Alle Mitgliedsländer der Europäischen Rundfunkunion (EBU) sind grundsätzlich teilnahmeberechtigt.
Building Bridges, so lautet das Motto der diesjährigen Veranstaltung, die vom 19. bis 23. Mai tausende Schlagerbegeisterte ins österreichische Wien lockt. Seit 1958 wird der Contest im Land des Vorjahressiegers ausgetragen – und das war im letzten Jahr die unvergessliche österreichische Sängerin mit Vollbart, Conchita Wurst. Die Bandbreite der ESC-Darbietungen reicht in der Regel von schmonzettiger Volksmusik über kitschtriefenden Schlager bis hin zu Hardrock. Aber über Geschmack lässt sich nicht streiten und die Zuschauerzahlen sprechen ihre eigene Sprache: Der ESC hat eben irgendwie Kultstatus. Bestenfalls hocken drei Generationen gemeinsam gebannt vor dem Fernseher, wenn im zweiten Teil der Show bis spätabends die Juroren aus allen Teilnehmerländern ihre Punkte vergeben. Eigentlich todlangweilig – aber die Show appelliert an den Nationalstolz und so drückt jeder die Daumen für das eigene Land.
Als Gastgeberland fiebert Österreich in diesem Jahr besonders mit. Unzählige große Plätze und Hallen im Land verwandeln sich in riesige Public-Viewing-Zones. Das wohl größte Public-Viewing-Areal des Landes wird der Wiener Rathausplatz sein. Und es gibt sogar einen fliegenden Song-Contest-Botschafter: Ein Airbus 320 der Austrian Airlines wurde mit einer Sonderbeklebung, die das Building Bridges-Motto zeigt, auf ihr weltweites Streckennetz geschickt. Andreas Otto, Chief Commercial Officer von Austrian Airlines, ist ganz aus dem Häuschen vor Freude: „Als heimische Fluglinie und offizielle Airline des Song Contests wollen wir diese Message in die Welt tragen.“ Die Message, das ist wohl vor allem Toleranz. Vorjahressiegerin Conchita Wurst, ein junger Mann im Frauenkörper, mit Frauenstimme und schwarzem Rauschebart, wurde quasi über Nacht zu einer internationalen Botschafterin für die neue Offenheit Österreichs. Building Bridges heißt aber auch Brücken schlagen zwischen den vielen unterschiedlichen Kulturen Europas. Musik kennt bekanntlich keine Grenzen – und wenn sie in diesem Sinne interkulturelle Freundschaft befördert, kann man doch selbst bei der peinlichsten Musiknummer mal beide Ohren, pardon Augen, zudrücken.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Eurovision_Song_Contest
http://songcontest.orf.at/
https://www.eurovision.de/teilnehmer/index.html

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07/05/2015 - 09:50

Festivalzeit in Südfrankreich: Vom 13. bis 25. Mai 2015 werden bei den 68. Filmfestspielen in Cannes wieder einmal die roten Teppiche für Stars und Sternchen ausgerollt. Die neuesten Streifen wetteifern um die höchste Auszeichnung für den besten Film, die Goldene Palme. Ein aktueller Anlass, um uns hier im Blog dem Thema Filmsynchronisation (engl. Dubbing) zu widmen.
Während in Deutschland, Italien und Frankreich nahezu alle internationalen Filmproduktionen synchronisiert werden, strahlen nordeuropäische Länder wie auch die Niederlande, Großbritannien, Belgien und Portugal fremdsprachige Produktionen grundsätzlich mit Untertiteln aus – mit Ausnahme von Programmen für kleinere Kinder, die noch nicht lesen können. Die USA und Kanada profitieren davon, dass ein Großteil der internationalen TV- und Kinofilme ohnehin auf Englisch produziert werden; in anderen Sprachen produzierte Bewegtbilder werden dort meist mit Untertiteln gezeigt. Länder mit einem riesigen Markt für Filmsynchronisation sind dagegen beispielsweise Brasilien, Indien, China und Japan. Wegen der Zunahme von DVD und Blu-rays bieten die meisten Filmvertriebe ausländische Filme sowohl in der Originalfassung als auch mit zahlreichen fremdsprachigen Synchronisationen an. Es gibt also genug zu tun für Synchronübersetzer, Dialogbuchautoren und Synchronsprecher.
Aber schön der Reihe nach: Erster Schritt einer Filmsynchronisation ist die Rohübersetzung der Originaldialoge in die Zielsprache. Wer sich mit Literaturübersetzungen auskennt, weiß, worauf es auch bei der Rohübersetzung eines Films ankommt. Ein Film ist immer eingebettet in einen bestimmten kulturellen und historischen Kontext. Der Rohübersetzer muss absolut sattelfest in Quell- und Zielsprache sein, um alle Fachtermini, Redewendungen, Zweideutigkeiten oder auch Anspielungen auf historische bzw. kulturelle Ereignisse korrekt und mit viel Feingefühl zu adaptieren. Ganz ohne interpretatorische Ansätze geht dies nie, der Filmübersetzer trägt also ähnlich wie der Literaturübersetzer eine kulturelle, historische und bisweilen auch politische Verantwortung. Nach dem Rohübersetzer ist der Synchronautor gefragt. Auf Basis der Rohübersetzung erstellt er das sogenannte Dialogbuch. Aus Texten werden Dialoge, die mit der Sprechlänge, den Lippenbewegungen bis hin zu Tonfall und Mimik der Darsteller synchron laufen müssen. Im nächsten Schritt wird der Film dann in einem Synchronstudio mit verschiedenen Synchronsprechern in der Zielsprache neu gesprochen. Dabei wird die Sprache des Ziellandes über die internationale Tonfassung gelegt, die alle Tonelemente enthält – aber eben mit Ausnahme von Sprache.
Reichlich knifflig ist bei der Filmsynchro neben der Adaption an den jeweiligen kulturellen Kontext besonders die Bindung an das exakte Timing und den Sprachrhythmus der jeweiligen Schauspieler. Die Dialoge in der Zielsprache müssen auf die Zehntelsekunde genau so lang sein wie die des Originals und außerdem mit dem mimischen Ausdruck sowie der gesamten Körpersprache des jeweiligen Schauspielers harmonieren. Stolperfallen sind – wie bei jeder Übersetzung – natürlich auch beim Dubbing die false friends. In Blade Runner zum Beispiel wurde „Please make a hardcopy“ zu „Mach mir davon eine feste Kopie“ statt „Mach mir davon eine Kopie auf Papier“. Bei Austin Power wurde der kurze englische, eigentlich eindeutige Dialog „Sex?“ „Yes, please!“ fälschlicherweise mit „Geschlecht?“ „Ja, bitte!“ übersetzt. Peinlich, peinlich…
Sind Sie Übersetzerin oder Übersetzer und haben schon mal damit geliebäugelt, Filme zu übersetzen? Grundsätzlich gelten dafür die Voraussetzungen, die für alle anderen professionellen Übersetzer auch gelten. Ein fundiertes Studium als Übersetzer und Dolmetscher, jede Menge Praxis im Übersetzen und/oder Dolmetschen und eine stetige Weiterbildung in sprachlicher und fachlicher Hinsicht. Wenn Sie dazu ein echter Filmfreak sind, sich nirgendwo lieber aufhalten als in den Kinosälen dieser Welt und vielleicht sogar schon die ein oder andere Vorlesung an der Filmhochschule besucht haben, könnte Filmsynchronisation für Sie interessant sein. Ratsam ist, rein wirtschaftlich betrachtet auf mindestens zwei Beinen zu stehen. Und selbst, wenn es im Land Ihrer Muttersprache ein großes Filmfestival gibt, das Monate im Voraus große Übersetzerkapazitäten bindet: Für Synchronübersetzer und Synchronsprecher ist und bleibt die Filmsynchronisation ein hartes, reichlich einsames Geschäft im Schatten der großen Stars und Filmproduktionen.

Quellen:
http://www.festival-cannes.fr/en.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Synchronisation_%28Film%29
http://dolmetscher-berlin.blogspot.de/2010/02/frage-wie-werde-ich-filmubersetzer.html
http://www.berliner-synchron.de/services/rohuebersetzung-dialogbuch/

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23/04/2015 - 12:48

Interessen und Lebenssituationen von Männern und Frauen können – je nach kulturellen und länderspezifischen Rahmenbedingungen – stark variieren. Diese Unterschiede bei allen Entscheidungen auf den verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen zu berücksichtigen, ist das erklärte Ziel von Gender-Mainstreaming. Es handelt sich dabei um keine „neue“ Erfindung: Bereits vor 30 Jahren wurde der Begriff erstmals auf der 3. UN-Weltfrauenkonferenz in Nairobi diskutiert; zehn Jahre später gab es die Weiterentwicklung anlässlich der 4. UN-Weltfrauenkonferenz in Peking.
Weil Gender-Mainstreaming in seinen Gleichstellungsbestrebungen beide Geschlechter in den Fokus nimmt, ist es nicht mit feministischen Strömungen zu verwechseln. Allerdings sind gerade Frauen in verschiedenen Sprachkontexten geradezu „unsichtbar“, obwohl sie längst in allen Bereichen der Gesellschaft aktiv Verantwortung tragen. Eine geschlechtergerechte Sprache zu realisieren, ist deshalb wichtige Anforderung an eine professionelle Übersetzung: Übersetzer sollten die aktuellsten Entwicklungen der Zielsprache hinsichtlich Gender-Sensibilität genau verfolgen. Werden zum Beispiel geschlechterspezifische Anpassungen einer Berufsbezeichnung einfach weggelassen oder wird schlichtweg eine falsche Form verwendet, kann das die Qualität der Übersetzung stark beeinträchtigen.
Die Umsetzung einer geschlechtergerechten Sprache stellt mitunter eine große Herausforderung dar. Im Deutschen gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten einer geschlechterübergreifenden Sprache. Dazu gehören zum Beispiel eine Sichtbarmachung der maskulinen und femininen Formen mit Doppelformen (die Wählerinnen und Wähler), Schrägstrich (jede/-r Arbeitnehmer/-in) oder Attributen (die männlichen und weiblichen Ingenieure). Alternative dazu ist die sogenannte Neutralisierung, zum Beispiel durch den Einsatz von Partizipien (Studierende statt Studenten) oder neutrale Funktionsbezeichnungen (die Geschäftsführung statt der Geschäftsführer).
Die französische Sprache arbeitet bei einigen Berufsbezeichnungen mit sogenannten épicènes. Das sind geschlechtsneutrale Substantive wie pianiste (der Pianist, die Pianistin) oder secrétaire (der Sekretär, die Sekretärin), die sich sowohl mit dem männlichen oder weiblichen Artikel verwenden lassen. Auch in die Politik hat das Gender-Mainstreaming in Frankreich Einzug gehalten: Seit Ende des 20. Jahrhunderts heißt die korrekte Anrede für eine Ministerin beispielsweise nicht mehr Madame le Ministre (Frau Minister) sondern Madame la Ministre (Frau Ministerin). Verstöße kommen immer wieder vor, werden aber konsequent geahndet: Erst im Oktober vergangenen Jahres wurde der konservative Parlamentarier Julien Aubert mit einer Geldstrafe in Höhe von 1378 Euro belegt, weil er die Vize-Parlamentspräsidentin Sandrine Mazetier wiederholt als „Frau Präsident“ angesprochen hatte.
In Schweden ergänzt seit 2012 das geschlechtsneutrale persönliche Fürwort hen die traditionellen Formen er und sie. Verwendet wird es zum Beispiel für die Bezeichnung einer transsexuellen Person. Im Englischen lässt sich they gut als geschlechtsneutrale Alternative zu den maskulinen bzw. femininen Pronomina he und she einsetzen.
Auch in den USA ist Gender-Mainstreaming mittlerweile ein großes Thema. Fast jeder zweite US-Bundesstaat diskutiert Initiativen für eine geschlechtergerechte Sprache. In Washington zum Beispiel heißen policemen und firemen seit gut zwei Jahren ganz neutral police officers und firefighters, also Polizisten und Feuerwehrleute. Und die freshmen, die Studierenden im ersten Semester, heißen nun amtlich first-year-students. Da ist es vielleicht nur noch eine Frage der Zeit, wann es der US-Nationalhymne Star-Spangled Banner an den Kragen geht, in der die freemen besungen werden…
Österreich hat es vorgemacht: Statt „Heimat bist du großer Söhne“ heißt es in der österreichischen Bundeshymne seit 2011 nun „Heimat großer Töchter und Söhne“. Und statt Bruderchören werden Jubelchöre besungen. Ein Musterstück im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit!
Sprache ist stetig im Fluss. Wer so intensiv mit Sprache arbeitet wie ein professioneller Übersetzer, der wird die aktuellen Entwicklungen seiner Muttersprache und Arbeitssprachen hinsichtlich Gender-Mainstreaming sorgfältig im Auge behalten.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gender-Mainstreaming
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtergerechte_Sprache
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/1378-Euro-Busse-fuer-Madame-le-president/story/25759915
http://www.welt.de/politik/ausland/article113377441/Amerika-kastriert-Polizisten-und-Feuerwehrmaenner.html
http://www.focus.de/politik/ausland/grosse-toechter-und-soehne-oesterreich-nimmt-frauen-in-die-nationalhymne-auf_aid_691929.html